Eine genauere Betrachtung offenbart den grundlegenden Unterschied zwischen Ketten- und Zahnradantrieben. Das nicht konstante Übersetzungsverhältnis eines Kettenantriebs resultiert daraus, dass die Kette nach dem Eintritt in das Kettenrad eine polygonale Form annimmt. Ein aufmerksamer Beobachter erkennt, dass die Mittelpunkte der um das Kettenrad gewickelten Kettenzapfen ein Polygon bilden würden, wenn sie verbunden wären. Daher ist ein Kettenantrieb im Wesentlichen ein Riemenantrieb zwischen zwei Polygonen. Mit jeder Umdrehung eines Kettenglieds ändert sich die Kettengeschwindigkeit von niedrig auf hoch und wieder zurück. Dies ist der charakteristische polygonale Effekt von Kettenantrieben. Wenn wir also über das Übersetzungsverhältnis und die Drehzahl eines Kettenrads sprechen, beziehen wir uns im Allgemeinen auf das mittlere Übersetzungsverhältnis und die mittlere Drehzahl, während bei Zahnradantrieben das momentane Übersetzungsverhältnis und die momentane Drehzahl gemeint sind. Aus diesem Grund eignen sich Kettenantriebe nicht für Anwendungen, die eine hohe Bewegungsgenauigkeit erfordern. Je weniger Zähne das Kettenrad (z) hat, je größer die Teilung (p) der Kette ist und je höher die Drehzahl ist, desto ausgeprägter wird der polygonale Effekt des Kettenantriebs. Wenn sich das Antriebsritzel mit konstanter Geschwindigkeit dreht, ändern sich sowohl die Winkelgeschwindigkeit des Abtriebsritzels als auch das momentane Übersetzungsverhältnis des Kettenantriebs periodisch. Die Ungleichmäßigkeit der Kettenbewegung und die durch den Eingriff starrer Kettenglieder in die Ritzelzähne verursachten Stöße erzeugen dynamische Belastungen.